Puppeneckenverbot

Puppeneckenverbot – mein Sohn, ein Schläger?

Mein Sohn hat Puppeneckenverbot. Das teilt der Vierjährige mir beim Legobauen nach dem Mittagessen mit. Die Puppenecke, das ist im Kindergarten der zweite Raum seiner Gruppe, da gibt es die Spielküche, ein Sofa, Kostüme und auch Puppen. „Heute,“ sagt er, „und morgen.“ Er zeigt mir drei Finger und tippt jede Fingerspitze an. „Morgen. Morgen. Morgen.“ „Warum?“, frage ich. „Sag ich dir nicht.“

Schweigend bauen wir weiter. Eine erste öffentlich ausgesprochene Bestrafung meines Sohnes. Wie soll ich das bewerten? Und wozu kann sowas führen? Zeigt sich hier schon eine frühe Rebellion gegen die Gesellschaft? „Sag mal.“ „Nein.“ antwortet er, ohne vom Lego aufzusehen. Wir bauen weiter. Nachdenklich sehe ich ihn an. „Bist du irgendwo hochgeklettert und runtergesprungen?“ Wer weiß, wozu sich so etwas potenzieren kann. Vielleicht wird er später Fallschirm springen. Oder von Klippen ins Meer. Oder illegal auf Denkmale und Hochhäuser… „Nein.“ „Hast du was kaputt gemacht?“ Wer weiß, vielleicht wird es ein reiner Zerstörungswahn. Sachbeschädigung, Brandstiftung, ich sehe brennende Autos…. „Nein.“ „Hast du jemandem weh getan?“ Heute ein Schlag, dann wird daraus ruckzuck eine Messerstecherei. Körperverletzung, illegaler Waffenbesitz, Mord… „Nein.“ Ich atme auf. „Gut.“ Er baut weiter. „Sag mal, bitte, es interessiert mich ja nur.“ „Nein.“ „Ich bin auch nicht böse. Ich möchte es nur wissen.“ Er sieht mich an. „Also, Felix und ich–“ Er wird eine Bande gründen. Eine Gang. Ich sehe ihn mit anderen Jungs durch die Nacht ziehen und –„wir haben mit Kissen sooooo.“ Er dreht seinen Arm etwas wild „und dann hat Lisa ein Kissen abbekommen.“ Ich sehe ihn entgeistert an. „Ihr habt eine Kissenschlacht gemacht?“ „Ja.“ „Hat Lisa geweint?“ „Nein.“ „Das war alles?“ „Ja.“ Eine Kissenschlacht. Fast bin ich etwas enttäuscht. Aber wer weiß, mein Sohn ist erst vier. Ihm bleibt noch viel Zeit für Rebellion. Von mir aus aber auch gerne ohne Brandstiftung, Waffenbesitz, Gang und Mord.

Einige Tage später gibt es jedoch neue Hoffnung für kriminelle Energien meines Sohnes. „Mama,“ sagt er. „In der Puppenecke gibt es ein Sofa, das ist ganz toll weich, super zum Hüpfen.“ „Dürft ihr das?“ „Nein. Aber wenn man die Tür zumacht, sehen die das nicht.“ Was soll ich sagen, ich bin zufrieden.

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