Meine geliebte Ghettoschlampe

Ich will ein böhses Mädchen (K.I.Z)

(K.I.Z ist ne Band. Das Lied einfach mal ganz objektiv anhören! Kann man sich doch mal wissenschaftlich vornehmen?)

Ich will ein böhses Mädchen, teilt uns der Sänger mit –  in Anlehnung an die Böhsen Onkelz mit Rechtschreibfehler. Eine Schlägerbraut ist es, die er will, eine Drecksau, die sich leider später als Bitch und als Nutte entpuppt; seine Amazone, seine Dame – sein Rasseweib.

Sein Mädchen ist stärker als die anderen Mädchen (Das deine Braut weghaut!), aber auch stärker als er (mich untern Tisch trinkt), andere Männer (muss ihre großen Brüder beschützen) und ist fast die stärkste überhaupt (kann Pferde heben wie Pippi Langstrumpf). Damit unterliegt seine Wahrnehmung ihrer Weiblichkeit der Zurückstellung seiner eigenen Männlichkeit. Seine Vorstellung von Weiblichkeit differiert von dem, was er sieht: Ich mag rosa, doch sie ist auch in Tarnfarbe heiß. Trotzdem erfüllt sie hintergründig eindeutige Rollenklischees: „…steht in Strapsen am Herd und kocht mir ihre Feinde zum Frühstück.“ Quasi: sie steht am Herd wie eine Frau, aber was sie ihm kocht, ist kein Grießbrei – es ergibt sich eine Bipolarität in ihrer Figur (Gesicht wie ein Engel und ne Rechte wie Klitschko).

Sex und Gewalt dominieren ihre Verhaltensweisen. Sex in der Waschküche, ihr Schulverweis (Schlägerbraut), ihr Lieblingssport (Gangbang), ihre Hobbies (prügeln und ficken) sowie ihre Verhaltensweisen dem Sänger gegenüber (jeder Streit ein Gefecht) demonstrieren diese beiden Aspekte häufig als ein zusammengehöriges Element. Reduziert ausgedrückt erfüllt sie damit als typisch männlich erachtete Attribute.

Zusammengefasst: Sie ist männlicher als er. Er bewundert sie und unterliegt ihr. Das führt uns über die Maskulinisierung ihrerseits über die Reduzierung seiner Männlichkeit zu einem Rollentausch.

Er kann nicht von ihr weg, auch wenn ihre Behandlung trotz Verlobungsschlagring fast bis zum Mord reicht (Ich hab langsam Angst […] Ich bleib der Schlampe treu, auch wenn das mein Ende ist). Seine eigene Androhung (irgendwann schlag ich das Luder tot) unterliegt deutlich den Beschreibungen seiner Angst (sie wird so böse) vor ihr.

Ihre Verhaltensweisen, die im Kontext von Tötungshandlungen stehen (Gleise, Waffenschein, Föhn, Killer, Gift, Bremsen) richten sich deutlich gegen sein Leben, wobei sie schließlich der Gerichtsbarkeit unterliegt und er ihr treu bleibt (Feile in den Kuchen eingebacken – eine normalerweise im Comic weibliche Handlung).

[Und jetzt einmal ein poetischer Genuss am Rande (laut lesen oder besser mitrappen!): Der Hund frisst, was die Bitch aufgetischt hat, ich hab Schiss, dass sie Gift ins Essen gemischt hat! Da kann doch sprachlich keiner was gegen einwenden!|

Von wegen schwaches Geschlecht – der Liedtext kann wohl leider nicht betrachtet werden ohne einen Seitenblick auf die Emanzipation. Werden Frauen hier diskriminiert? Nein. K.I.Z. will uns die bösen Mädchen demonstrieren, die sich dermaßen der Härte der sie umgebenden Männerwelt angepasst haben, dass sie dabei eines verloren haben: ihre Weiblichkeit.

Songtext: Böhses Mädchen von K.I.Z, Album: Hahnenkampf (2007)