Theodor als Zwischenmahlzeit

„Der Kleine knabbert deine Effi Briest an!“, ruft mein Mann aus dem Schlafzimmer. „Machts nichts,“ rufe ich zurück, „besser Fontane als Bildzeitung!“

Der Kleine hat seinen ersten Zahn. Sowieso wird auch schon länger alles angenuckelt und durchgesabbert, egal ob Babyspielzeug oder kein Babyspielzeug oder Körperteile anderer Menschen. Dass er sich einen Fontane aussucht, erfüllt mein Literaturwissenschaftlerherz natürlich mit Stolz. Soll er es vollsabbern und es sich danach wellen; es hat Stil.

Als mein Großer noch klein war, trug er einige Tag ein Buch von Remarque mit sich herum; ich weiß nicht, wieso. Es wurde geknauscht und genickt, das störte mich nicht. „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ statt Buggy-Bilderbuch, warum nicht. Ebenso wenig missfiel mir, als er einige meiner Reclamhefte, liebevoll als „Minibücher“ bezeichnet, zusammentrug und heute noch in seiner Bude hortet. Dass er sich allerdings letztens als „Zauberbuch“ eine alte Ausgabe von Hugos „Die Elenden“ ausgesucht und diverse Seiten vollgemalt hat, missfiel mir dann doch (ich habs nämlich noch nicht gelesen).

Meine Jungs können noch nicht lesen, natürlich nicht, oder auch: zum Glück. Mit Remarque sollten sie vielleicht nicht anfangen. Und auch Fontane wäre vielleicht nicht das richtige. Und zugegeben: Sie wissen ja gar nicht, was sie da mit sich rumtragen oder durchkauen. Sie können nur das nehmen, was sie finden (und am besten ist natürlich das, was eben nicht zu den 2-3 lfm Kinderbüchern gehört).

Das nächste Buch, das mein Kleiner erfolgreich einspeichelte, war ein Pixieheft: „Ich hab einen Freund, der ist Bäcker.“ Keine hochgeistige Literatur. Aber besser als die Bildzeitung ist es immer noch.