You * me crazy!

Asterisk ohne Obelix

Dass ich als jemand, der den wissenschaftlichen Umgang mit jeder Art von Text (lieben) gelernt hat, Fußnoten liebt, erwähnte ich bereits im Zusammenhang mit Lady Bane (genau, die Zitrone). Aber nicht nur im wissenschaftlichen Kontext sind Fußnoten etwas, was mich immer wieder verrückt macht: Es ist der Kontakt mit ihnen im Alltag.

Fußnoten begegnen uns überall. Nur sehen die meisten sie nicht. Oder sie interessieren sie nicht. Dabei meine ich nicht mal solche fabelhaften Hinweise wie das klassische „Kleingedruckte“, das sich besonders bei Handyverträgen oder ähnlichem findet. Hier sind es meistens die numerischen Fußnoten, die hochgestellten Zahlen, die auf das unten auf der Seite stehende verweisen.

Sind die Fußnoten numerisch, ist davon auszugehen, dass es mehrere Anmerkungen gibt, nicht nur eine. Um sich davon und einer zugleich wissenschaftlich-starren Methodik abzugrenzen, ist das Sternchen, das übrigens Asterisk heißt, beliebt. Es sieht viel netter aus, wie es da hinter einem Wort steht wie „50% Rabatt auf alles*“. Einfach wie ein freundliches Zeichen. Oder wie auf dem Babybrei „Ohne Salzzusatz*“. Oder bei der Werbemail „Alles versandkostenfrei!*“.

Egal, ob es mich interessiert oder nicht: Ich muss nachgucken. Ich MUSS wissen, was das Sternchen von mir will. Ich muss lesen, dass die 50% Rabatt nicht für Handtücher gelten, dass die Salzzugabe eh gesetzlich verboten ist und dass die Versandkosten erst ab 75€ Bestellwert wegfallen. Ich muss wissen, dass jemand gut, also richtig, mit dem kleinen Sternchen umgegangen ist.

Das Sternchen hat eine sehr undankbare Aufgabe bekommen. Es ist eigentlich nur ein kleines Zeichen, das sagen möchte: Hey, guck mal, da unten, bei meinem kleinen Brudersternchen, da steht noch was! Aber was es vor allem die Werbung meist sagen lässt: VERARSCHT! So undankbar geht die Welt mit dem kleinen Asterix äh Asterisk um. Es ist ein Wegbote auf dem Durchsuchen von Text, Druck, Email oder Produkt nach dem Hinweis, der zeigen soll: Es ist anders gemeint. Oder hat Konsequenzen. Oder gilt nur dann, wenn xyz. Einerseits undankbar, andereseits typisch deutsch, könnte man sagen – und dankbar sein, dass es wenigstens Pflicht ist, gewisse Angaben zu machen, bevor die Menschen in ihr Verderben rennen.

Aber dann gibt es etwas, das treibt mich zur Verzweiflung. Die Waisensternchen! Die Singlesternchen! Große Sternchen ohne ihre kleinen Brüderchen. Wenn vorne oder oben ein großes Sternchen prangt – und die Fußnote einfach fehlt. Dann suche ich, drehe ich, scrolle ich und finde nichts.

Armes Sternchen. Was wird aus dir? Wird man irgendwann wieder netter zu dir sein? Es steht halt in den Sternen…