Dreck, Inkonsequenz und Nudeln mit Ketchup.

Dass ich gegen eine übermäßige Pflege von Autos plädiere, habe ich ja bereits hier beschrieben. Aber dass ich mich auch für dreckige Kinder ausspreche, muss ich noch erwähnen. Natürlich sollten Kinder nicht immer dreckig sein, auch wenn sie je nach Alter im Laufe des Tages zwangsläufig immer etwas schmuddeliger werden. Und auch so ein frisch gebadetes, duftendes Kind im Schlafanzug ist etwas herrliches.

Ich sehe die Basis für eine gute Erziehung in drei Eckpfeilern: Dreck, Inkonsequenz und Nudeln mit Ketchup.

Dreck: Ja, so ein Kind muss zeitweise dreckig sein. Es MUSS. Es muss matschen, hinfallen, durch den Rasen robben, Bilder malen, sich anmalen, den Tisch anmalen, die Hose anmalen, den Saft umkippen, sich selber Milch eingießen und die Milch über den ganzen Tisch gießen. Es muss aus dem Garten kommen und sich die Sachen vor der Tür ausziehen müssen, es muss Steine stapeln, „Suppe“ kochen und die neue Hose dabei völlig einsauen.

Dabei macht nicht der Dreck an sich die Essenz der guten Erziehung aus, sondern die Akzeptanz dessen. Temporär, denn im Endeffekt lässt sich ja alles wieder wegmachen. Aber dem Kind diese Erfahrungen zu lassen und ein vollgeschmiertes Baby, das die Banane homogen über den Tisch verteilt hat, süß zu finden, das ist eine wichtige Grundlage.

Inkonsequenz: Früher dachte ich, Eltern müssten konsequent sein: „ES IST SO: PUNKT! WEIL ICH DAS SAGE. PUNKT!“ Heute weiß ich: Konsequenz ist keine Kunst. Es ist eher stupide. Die Kunst ist, zu wissen, wann man nicht mehr konsequent sein sollte. Inkonsequenz heißt das Zauberwort. Denn immer nur auf der eigenen Meinung zu beharren – das kann auf Dauer weder gut gehen noch gut sein. Mal die eigenen Grundsätze beiseite zu nehmen und nachzugeben („Ich helfe dir aufessen, damit du Nachtisch bekommst.“ „Ja dann halt erst essen und dann baden.“ „Dann isst du heute halt mal Käse und kein Brot.“) und davon die richtige Dosis zu treffen – das ist Kunst. Patentrezept? Nö. Viel Erfolg!

Nudeln mit Ketchup: Natürlich ist mir gesunde Ernährung wichtig. Es gibt bei uns viel Obst und Gemüse, auch Diverses aus dem eigenen Garten, es wird mittags gekocht und gibt abends (selbstgebackenes) Brot. Aber was viel mehr wert ist, als wenn das Kind alle diese gesunden und tollen Dinge artig isst, ist ein genügsames Kind. „Duuu,“ frage ich beim Frühstück eines stressig werdenden Vormittags, „was möchtest du denn heute Mittag essen….?“ Etwas linkisch luge ich zur Seite. „Pommes.“ „Neee….“ „Ok, Nudeln.“ „Gute Idee!“, begeistere ich mich erleichtert. „Was für eine Soße denn?“, frage ich dann lauernd. „Ketchup,“ sagte er unbeeindruckt. „In Ordnung,“ gebe ich mich etwas nachdenklich, als würde ich abwägen, ob das wirklich als ein vollwertiges Mittagessen gelten könnte, „können wir ja mal machen.“ „YES!“, denke ich, „nur schnell paar Nudeln kochen und Ketchup drüber, super, weniger Stress.“ „YES!“, denkt sich mein Großer. „Nudeln mit Ketchup ohne weitere Diskussion.“ So einfach sind alle glücklich zu machen.