Deutschland-Mexiko 0:1

Ich bin zwar kein richtiger Fußballfan, aber doch mehr mit der Materie vertraut als die, die sich jetzt nur für die Dauer der WM dafür interessieren, nur die Spiele mit deutscher Beteiligung gucken und jedes Mal fragen, was Abseits ist.

Angeblich hat Deutschland das Spiel gegen Mexiko verloren. Angeblich deswegen, weil ich von dem Spiel eigentlich nichts mitbekommen habe.

Vor dem Spiel gehen wir eine Runde spazieren und ziehen aus irgendeiner Eingebung unsere Trikots an. Die Straßen wirken so kurz vor Anpfiff schon etwas leerer als sonst, einige Häuser weiter tummeln sich schwarzrotgoldene Gestalten einer WM-Party am Grill. Wir schieben mit dem Kinderwagen ein paar stille Straßen entlang, als plötzlich, als wir auf eine selbstbewusst im Wand flatternde Deutschlandfahne zugehen, aus mehreren Richtungen Fußballfans kommen. Von beiden Seiten Deutschlandtrikots, von vorne eine Frau mit drei passend farbigen Luftballons, dahinter ein Pärchen mit schwarzrotgoldenen Blumengirlanden um die Handgelenke. Man grüßt sich, alles lächelt, ein wie entrückter Moment.

Das Spiel habe ich quasi verpasst. Bei der Hymne suche ich noch in der Küche nach dem Flaschenöffner, danach bemühe ich mich, dass der Kleine die Sachen nicht vom Tisch räumt (woraufhin ich alles wegräume) und dass der Große keinen Zuckerschock bekommt. Schließlich kapituliere ich, füttere dem Kleinen sein Abendessen und stecke alle in die Badewanne. Alles, was ich von dem Spiel noch sehe, ist schließlich die Bild-Schlagzeile an der Kasse im Supermarkt.

Am nächsten Morgen radel ich zum Kindergarten und muss lachen. Ich fahre den gleichen Weg wie am Tag zuvor hinunter und auf den Fahnenmast zu. Die Deutschlandfahne, gestern noch so stolz und siegessicher, zappelt kläglich im lauen Morgenlüftchen – auf Halbmast.