GOOD(?)BYE

Ich gucke nicht viel Fernsehen, zumindest wenig Live-TV (Ausnahme: Sportereignisse jeder Art, dabei Ausnahme: Motorsport jeder Art). Demnach kenne ich auch nicht viele Doku-Soaps, aber ich denke, dass Goodbye Deutschland, das bereits seit 2007 für VOX produziert wird, definitiv zu einer der langlebigsten ihres Genres gehört. Und die einzige ist, die ich wirklich gerne sehe.

Dabei geht es mir gar nicht um den voyeuristischen Genuss des Unterganges. Nein, es gibt bei dieser Sendung noch viel mehr zu entdecken.

Goodbye Deutschland, kurz Goodbye, begleitet Menschen, die Deutschland verlassen, um in ein anderes Land auszuwandern. Die, die nicht scheitern, werden dabei oft jahrelang begleitet. Einige von ihnen können durch die TV-Präsenz sogar eine Art Karriere aufbauen. Andere machen sich leider einfach zur Witzfigur.

Im Prinzip gibt es zwei Extreme bei den Auswanderern und ganz viel dazwischen. Es gibt die, die von Anfang an alles richtig machen: Sie kennen das Land gut, können die Sprache, haben sich sehr gut über das Einwandern informiert, sich um eine Wohnung bemüht und entweder eine gute Idee für ein Business oder sogar schon einen Job. Und sie haben finanzielle Rücklagen. Dann kommen die, die fast zwangsläufig scheitern: Fast kein Geld, keine Ahnung, keine Sprach- oder Landeskenntnis. „Gucken wir, wenn wir da sind.“ Dazwischen gibt es eine Menge andere Facetten von individueller Planung einer Auswanderung. Manche schaffen es, manche nicht; manche Geschäftsideen sind gut, manche kostet die (schlechte) Erfahrung sehr sehr viel Geld.

Interessant ist auch die soziale Komponente. Ist es bei den extrem gut geplanten Auswanderungen meist die ganze Familie, die sich dafür begeistert, ist es bei den anderen Gruppen oft nur ein Teil – die Eltern oder nur ein Partner – und der Rest muss mit. Offensichtlich dabei zumeist das Leid der Kinder, bei allen Gruppen jedoch zumindest das Leid der Zurückbleibenden. Meist sind es die alten Eltern, die erwachsenen Kinder, die Geschwister und die Freunde, die den tränenreichen Abschied in Szene setzen.

Fazits finden sich dabei viele. Sowohl, dass Auswanderungen die absoluten Killer für nicht total krisenfeste Beziehungen sind, als auch, dass es die verrücktesten Geschäftsideen gibt (Schaumküsse, Fisch-Spas, Modeschmuck, hippe Hemden, Eis, Solarien auf Sonneninseln… und immer wieder: GERMAN Wasauchimmer), die mal bestehen, mal nicht.

Das Spannende in der Serie findet sich für den Zuschauer dabei primär in zwei Punkten von Faszination: einerseits des Neides, andererseits der Unvorstellbarkeit. So oder so ist es faszinierend, sie zu verfolgen. Ob man es nun nachahmen möchte oder nicht. Ob man nun die bewundert, die es schaffen. Oder ob man beim Scheitern froh ist, dass es einen selbst nicht trifft. Mir reichen schon die Abschiede am Flughafen, morgens, wenn alle dramatisch verschlafen sind, von Vorfreude keinerlei Spur. Dann möchte ich lieber der sein, der zurück nach Hause geht.