Smombie

Obiger Begriff ist das Jugendwort des Jahres 2015 (was ich vor dem Verfassen dieses Artikels gar nicht wusste, da sich mir schon bei dem Begriff Jugendsprache die Fußnägel aufrollen. Ich frage mich immer, welcher Jugendliche diese Jugendsprache eigentlich kennt).

In den Duden hat es die Zusammensetzung aus Smartphone und Zombie allerdings bis jetzt noch nicht geschafft. Dabei ist es eigentlich ein schöner Begriff, der wunderbar die komatös durch die Straße strebende, permanent leicht gebeugte Person definiert, die sich irgendwo aufhält, nur nicht in der Gegenwart, und dabei leicht Menschen, Autos oder Laternen übersieht. Ok, das ist übertrieben, aber sowas ist damit gemeint.

Mein Verhältnis zum Mobiltelefon entspricht, wie ich vermute, dem des geringeren Teiles unserer Bevölkerung. Für mich ist es kein Segen, sondern ein leider notwendiges Übel.

Mein erstes Handy hatte ich für damalige Verhältnisse doppelt früh – mit 14 –, als nämlich Handys für die breite Masse noch etwas total neues waren. Sms kosteten 39 Pfennig und Telefonieren pro Minute ebenfalls. Später war das eigene Netz mit 9ct statt 19ct günstiger. Prepaid, selbstverständlich. Und sehr lange blieb das Thema für mich dann etwas Sentimentales, denn ich hielt an diesem Alcatel one touch easy db 14 (!) Jahre.

Von diesem grandiosen Gerät, mit dem ich sogar oben auf dem Monte Pasubio Nachrichten an den Rest meiner verschollenen Wandergruppe schicken konnte, von denen jedoch niemand Empfang hatte, fiel mir der Abschied dann doch erstaunlich leicht. Hatte ich bei Verbreitung des Iphones noch gewitzelt, ich würde einmal vom Alcatel direkt rübergehen zum Iphone, bewahrheitete es sich Anfang 2014 tatsächlich. Simpler Grund: Das alte Handy wurde langsam unzuverlässig und ich war Mutter und wollte im Notfall erreichbar sein oder erreichen können. Aber ich habe es noch.

Natürlich ist ein Smartphone praktisch. Das wenigste, was ich damit mache, ist telefonieren. Nachrichten schreiben und Bilder verschicken; Kontakte aufrechterhalten, Sachen organisieren. Emails bearbeiten, online shoppen, kurz was nachgucken, das alles geht. Immer und überall.

Und da beginnt mein Hass auf diese Dinger. Sie sind überall. Und dadurch, dass der Mensch von Natur aus ein neugieriges Wesen ist, kann es sein, dass der Gesprächspartner zwischendurch unbedingt wissen muss, was irgendwer anders noch so sagt. Heißt: der Fokus geht verloren.

Ganz neu auch die Feststellung, dass sich darin eine Gefahr für die Entwicklung von Babies finden lassen soll. Ich sehe das als etwas übertrieben an, denn dann wäre auch das Lesen eines Buches beim Stillen ebenso verwerflich. Aber für mich gehört ein Handy beiseite, wenn ein Kind oder generell eine andere Person dabei ist.

Es ist schön, immer erreichbar sein zu können. Immer alles sofort nachgucken und sogar kaufen zu können. Es ist auch schön, dass mein Handy mir immer auf die Frage antworten kann, wo ich gerade bin oder wie das Wetter wird oder mir eine verzerrte Erinnerung wie „an den Wäschetrockner um zwanzig Uhr“ pünktlich präsentiert.

Aber die besten Momente mit meinem Handy sind die, wenn ich seit Stunden keine Ahnung habe, wo es überhaupt rumliegt.