Mein Mann kann

Ich sitze beim Zahnarzt. An sich weder schön noch wirklich schlimm (es gibt Betäubungen, das ist doch das Wichtigste). Noch warte ich im Behandlungsraum und würde vor mir an die Wand starren, wäre da nicht ein Bildschirm mit einem Bild. Eigentlich wäre das Bild an der Decke besser angebracht, damit man dort dann vor resignierter Verzweiflung hinstarren kann, aber so hat man etwas zum Ansehen, während man schicksalvoll der Dinge harrt, die da kommen.

Ich leide jetzt schon. Das Bild da, das ich ansehe, quält mich. Der Horizont ist schief. Das Bild hat noch mehr Linien; einen Hügel, ein paar Berge, nichts davon ist waagerecht. Auch der Horizont nicht. Er zieht sich radikal schief durch das Bild und ich weiß: so sollte es nicht sein. Ich sitze da, das Bild und ich wir starren uns an, irgendwann halte ich den Kopf schief, aber besser wird es nicht.

Dass ich jetzt leide, ist nicht mein Verdienst. Kein bisschen. Denn meine Wahrnehmung von Fotografien ist allein der Verdienst meines Mannes.

Er macht sehr gute Bilder und er kennt sich auch bestens mit der Nachbearbeitung aus. Ich glaube, er kann alles, was man mit Bildern machen kann. Zum Beispiel auch die Stempel in die Bilder meines Blogs einfügen, denen er vorher auch noch den passenden Filter verpasst. Niemals, niemals würde er einen Horizont schief lassen.

Ein paar Tage später, anderes Zimmer, anderes Bild. Sofort betrachte ich intensiv die Horizontlinie. Scheint gerade zu sein. Aber die Stimmung des Bildes überzeugt mich nicht; die Bildaufteilung ist unkreativ, die Qualität schlecht: rauscht zu sehr. Genau wie bei dem anderen Bild auch, war sicherlich jemand sehr stolz über das gut gewählte Motiv. Aber ich glaube, ich bin für immer verdorben, was es so einen simplen Schnappschuss angeht.

Danke, Schatz!!