Immer die Radfahrer II

Man sollte meinen, wir Radfahrer würden halbwegs zusammenhalten, denn schließlich haben wir schon die geballte Meute der Autofahrer (und Fußgänger und Hunde) gegen uns (siehe hier). Aber es gibt große Unterschiede. Unabhängig von den E-Bikern (siehe hier) gibt es zuerst die größte Unterteilung in Helmträger (🙋)‍ und Nicht-Helmträger (bei denen lachhafterweise die Kinder zumeist einen Helm tragen müssen. Doppelmoral lässt grüßen).

Und dann gehts weiter mit denen, die sich an die Regeln halten, und jenen, bei denen weder Fahrzeug noch Fahrverhalten einem Sozialverhalten folgen.

LETZTENS. Da radel ich müde meine Einflugschneise zum Heimathafen, artig auf dem Radweg, flankiert von vorbeizischenden Autos, da überholt mich ein Radfahrer rechts auf dem Gehweg. Kaum ergibt sich eine Lücke in den parkenden Autos zwischen uns, huscht er zu mir hinüber auf den Radweg. Und dann zieht er plötzlich, ohne sich umzusehen, nach links in den fließenden Verkehr, um die Straße zu überqueren und in seine Einfahrt einzubiegen. Kein Blick zu den Autos, weder bevor, noch nachdem sie ruckartig gebremst haben. Solche Leute, denke ich dann, die bringen uns nur alle in Verruf.

Zebrastreifen sind da so ein Ding. Dabei ist es ganz einfach. VorGANG hat dort nur der, der geht. Oder schiebt. Fahrende Radfahrer NICHT. So einfach ist es. Eigentlich.

LETZTENS. Da radel ich meines Weges und eine Frau meines Alters radelt ihres Weges: über den Zebrastreifen, ohne Helm, eine Hand légèr am Lenker.

Oder LETZTENS, da radelt eine Frau mit Kind langsam über den Zebrastreifen. Langsam, ok, die Autos halten alle, das geht ja. Der Zebrastreifen geht über eine breite Straße, deswegen sind es zwei, mit einer Querungshilfe in der Mitte. Aber Mutter und Tochter haben den kleinen Sohn abgehängt. Er kommt jetzt aus der Straße geschossen und rast in vollem Tempo über den Zebrastreifen. Die Autos sehen ihn zum Glück noch, aber das hätte ganz anders ausgehen können.

Ja, so ist das. Ich kann die Autofahrer verstehen, die von solchen Radfahrern genervt sind. Oder die anderen Radfahrer oder die Fußgänger. Aber an die nette Frau, die mir zu verstehen gab, dass der Radweg sich auf der Straße befindet: Wenn die Autofahrer weiterhin so scheiße dicht an mir vorbeizischen, fahre ich nie auf der Straße, wenn ich hinten drauf ein kleines Kind habe. Sonst immer, aber da bin ich stur.

Aber heute muss ich mich dann doch mal auf die Seite der Autofahrer schlagen. Ich finde zwar auch, dass die Fahrradparkplätze am Lidl zu weit vom Eingang entfernt sind (als Radfahrer, der immer direkt überall vor der Tür parken kann, ist man da ja schon etwas faul), aber direkt einen Autoparkplatz zu belegen, finde ich dann doch etwas dreist (siehe Bild). Als die Fahrerin dann pudelbemützt ihr Fahrradschloss aufschloss, sah sie zu mir hinüber, ganz hinten, wie ich mein Rad aus dem Fahrradständer schob, und alles, was ihr Blick sagte, war „selber Schuld.“

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