Antimusik

Es gibt Dinge, die sind so furchtbar, dass sie irgendwie schon wieder gut sind. Die Spannweite dessen, was man in diese Kategorie einordnet, ist enorm, und man bewegt sich bei einer Abschätzung sehr schnell auf dem schmalen Grad zwischen Blasphemie und purer Widerlichkeit.

Ohne jetzt weiter auszuführen, was man dort alles einordnen könnte, komme ich direkt zum Thema: Antimusik.

Dazu muss ich erklären, dass wir früher, als ich noch jung war, Musikvideos gedreht haben. Insgesamt vier Filme sind so entstanden, je etwa eine halbe Stunde lang, bestehend aus selbstgedrehten Playback-Videos zu verschiedenen Liedern und unterbrochen von nicht ganz ernstgemeinten Rezensionen. Waren die ersten davon noch ganz einfach im Zimmer abgedreht, haben wir später tagelang gedreht, die richtigen Locations gesucht, stundenlang am Computer gesessen und geschnitten. Das, was am Ende dabei rauskam, war einfach nur grandios. Nicht zu verachten die Outtakes. Es war eine tolle Zeit.

Aber nicht nur die gute Erinnerung ist geblieben. Sondern die Lieder, die wir damals verwurstet haben. Klar waren da auch gute Lieder dabei, aber spannender war, irgendwelche Antimusik, meist – sorry! – Schlager, zu nehmen. Je schlimmer, desto besser. Oder Ballermann, Apres Ski; genau so schlimm.

Wenn ich heute „Lieb mich jetzt, lieb mich hier, lieb mich ganz! Sag deinem Herz, gib uns noch eine Chance!“ singe, dann nicht nur, weil der Reim eine totale Katastrophe ist, sondern das ganze Lied. Ebenso „Mein Herz schlägt für den Apres Ski! Hier gibts die Party-Garantie! Ich will tanzen und feiern mit Schweden und Bayern!“ (Ernsthaft jetzt?)

Aber nicht nur wie die Lieder von damals läuft bei uns gelegentlich das eine oder andere Lied, das bei uns nur eine Existenzberechtigung hat, weil es so so schlimm ist. Einige Garanten: Modern Talking. Der Wendler. Und: (kennt keiner) René Pascal. Muuhaaaaahaaaa!

Die Sache ist ja auch ganz lustig. Solange die Fenster zu sind und keiner hört, was drinnen läuft. Ganz penibel habe ich die Lieder auch in eine eigene Playliste sortiert, so dass sie auch nur dann zu hören sind, wenn es uns quasi überkommt.

Aber wenn beim Einkaufen das an meiner Hand laufende Persönchen permanent „Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner“ singt, frage ich mich, ob die ganze Sache vielleicht nach hinten losgegangen ist.

 

 

Texte:

Andreas Martin – „Lieb mich jetzt“
St. Anton Allstars – „Apres Ski (mein Herz schlägt für den Apres Ski)“
Tim Toupet – „Ich bin ein Döner“

Unbedingt anmachen:

René Pascal – „Mein Name ist Pascal“
Michael Wendler – „Sie liebt den DJ“