Langeweile. Langeweile??

„Sag mal, so immer nur mit Kind, ist das nicht langweilig?“ Ich starre meinen Gegenüber an, unfähig, etwas zu sagen.

Wir schreiben das Jahr 2014. Mein erster Sohn hat sich gerade zu einem quirligen Rumkrabbler entwickelt. Neben dieser 24h-Betreuung wuppe ich noch den größten Teil des Haushalts und schreibe meine Doktorarbeit. Und bei dem ersten Kind ist eh alles noch kompliziert und neu. Hat er mich gerade gefragt, ob mir langweilig sei?

Wenn ich heute, fünf Jahre später, zurückdenke, hat sich die Spanne zu meinem letzten Empfinden von Langeweile nur noch vergrößert. Nach dem Abi habe ich studiert und bin direkt von meiner Masterarbeit zur Promotion übergegangen. Dass ich diese nicht in der Schwangerschaft abschließen konnte, lag nicht an mir sondern an bummeligen Mitarbeitern der Universität. Somit überschnitten sich die finalen Züge an meiner Rolle als Doktorandin mit der als Mutter, was ich vom Arbeitspensum her ungerne empfehlen möchte.

Wie wundervoll der Moment, als ich feststellte, nur noch eine Doppelbelastung zu haben! Nur noch Haushalt und Kind, es war eine Wohltat. Aber Langeweile kam sicherlich nicht auf. Kaum war er im Kindergarten – mit fast drei und auch nur bis mittags – renoviertern wir und bauten um. Und schon kurz danach lümmelte sich ein zweites Kerlchen in meinem Bauch zurecht.

Wir schreiben jetzt das Jahr 2019. Der Große tobt sich weiterhin im Kindergarten aus – aber nur vormittags. Und der Kleine? Erobert gerade die Welt. Generell ist es aber gar nicht so selten, dass sie einfach ruhig spielen. Auch der Kleine schnappt sich oft ein Buch und dann sitzt er irgendwo und blättert oder er kocht Kaffee in seiner Spielküche, mit einer Ernsthaftigkeit, die nur Kleinkinder dabei innehaben können. Manchmal ist es völlig still. Das ist dann die Ruhe vor dem Toben oder die Ruhe nach dem Toben, wo ich, weil ich ja nicht immer nur aufräumen und wegräumen kann, oft im Türrahmen sitze und den Überblick behalte, oder schnell noch einen Kaffee hole und mich dazusetze, gerne die warme Heizung im Rücken.

Aber Langeweile? Die kann ich dabei nicht empfinden. Ich denke an tausend Sachen, die ich noch tun muss oder tun müsste, die ich jetzt aber nicht tun kann oder einfach nicht will und ich gucke mir die beiden an, die schon wieder alles ausgeräumt und verteilt haben und jetzt Lego bauen oder Playmobil spielen oder Bücher angucken oder malen oder im Garten matschen und ich weiß, dass es noch nie etwas Schöneres gab, was mein Leben so verkompliziert hat. Und dafür gesorgt hat, dass mir so schnell nicht wieder langweilig sein wird.