Geburtstagskind

Ich wurde heute Morgen wach und war kaputt. Kaputt, weil der Tag zuvor ohne Pause von 6:20-20:10 ging, die Nacht zwei längere Unterbrechungen hatte und der heutige Tag wieder anstrengend wird. Es ist seltsamerweise wieder 6:20, aber immerhin schläft das milchgesättigte, durchgepinkelte Paket neben mir und der Große, der mich geweckt hat, lässt sich noch von Stillbeschäftigung in seinem Zimmer überzeugen.

Um 7 Uhr startet pünktlich das nachbarliche Aufwachkommando. Alle Kinder werden zeitgleich und sehr lautstark in die Familienkutsche geladen. Selbst mit geschlossenem Fenster gibt es kaum eine Chance, das zu verschlafen. Leider. Zum Vergleich: Die frühere Müllabfuhr weckt uns fast nie.

Ich muss an den Tag vor zwei Jahren denken. Wachwerden früh um 4 mit den ersten Wehen und auch da wusste ich, dass es ein besonderer Tag werden würde. Anstrengend, vielleicht, und naja schmerzhaft, aber das wusste ich ja schon. Um 8 gings damals los Richtung Krankenhaus und dann war er bald da, der kleine Mensch.

Ich werde heute Kuchen machen und mehrfach Kaffee kochen für Besuch, der nicht für mich kommt, Geschenke auspacken helfen, die nicht für mich sind, werde aufräumen und Tischdecken und -abdecken und abwaschen und und und, also fast wie immer, nur etwas mehr, und werde wieder um acht halbtot aufs Sofa fallen, hoffend, dass meine geistige Kapazität noch reicht, um House of Cards zu gucken (was ich ja zum Glück schon zum zweiten Mal gucke).

Um 7:10 ist er endgültig wach, rappelt sich auf und drückt seinen Kopf mit den hellblonden, plüschigen Haaren an mich. „Guten Morgen, Mama,“ sagt er wie fast immer (Tatsache). „Papa ist am Bodensee,“ informiert er mich anschließend mit einem Blick auf die gerollte Bettdecke – Fallschutz – neben sich; erinnert mich daran, dass wir drei ein paar Tage aus beruflichen Gründen alleine sind und die Arbeit leider auf mich alleine wartet.

Er kuschelt sich noch einmal an mich und ich liebe ihn (und den Großen) und weiß, dass das alles seinen Sinn hat. Auch heute wird mein dreizehnstündiger Arbeitstag ein als solcher quasi unbezahlter sein – und gleichzeitig ein unbezahlbarer. Denn könnte es wertvoller sein?

Und somit: Alles Gute zum zweiten Geburtstag! 🙂