Das kurze Schweigen

Wenn ich mit einem oder beiden meiner Kinder unterwegs bin, rede ich auch mit ihnen. Das habe ich schon bei dem Großen gemacht, als er noch als Säugling im Kinderwagen lag. Zu Hause in der Wiege habe ich ihm dann die These meiner Doktorarbeit erklärt, denn irgendwer musste sich das ja anhören. So ist es auch heute noch, wenn ich mit meinem Kleinen unterwegs bin – ich rede mit ihm. Sicherlich redet er deswegen auch schon recht gut, einfach, um auch mal zu Wort zu kommen. Bei meinem Großen wird mir manchmal gesagt, er würde genau so viel reden wie ich, aber ob das positiv gemeint ist, bleibt mir zweifelhaft.

Es gibt aber auch Momente, wo es mir mal die Sprache verschlägt. Wie zum Beispiel bei der Frau mit der Papaya, zu lesen hier, war es jetzt wieder im Bus. Da saß eine junge Mutter mit zwei kleinen Mädchen und redete mit einem Bekannten, den sie anscheinend im Bus getroffen hatte.

„Stell dir vor,“ sagt sie zu ihm, „die ganze Zeit musste ich mir von ihr Kritik anhören, nur weil ich in der Schwangerschaft geraucht habe! Kritik, Kritik, Kritik“. Stirnrunzelnd schaue ich mir meinen Kleinen an, der zufrieden seine Pflaumen isst und aus dem Fenster des Busses schaut, denn zum Glück fahren wir nicht oft mit dem Bus. So ist es für ihn immer noch spannend und für mich erträglich, denn ich mag es nicht.

Kaum aus dem Bus ausgestiegen, stoßen wir fast mit einer Frau zusammen, die sich mit einer Busfahrerin unterhält. „Zwei Kapseln am Tag?“, fragt die Busfahrerin sie gerade. „Ja ja“, sagt die Frau, „eine Kapsel gebe ich ihm direkt vor der Schule, damit er sich auch gut konzentrieren kann“. Kopfschüttelnd gehe ich weiter und habe wieder einmal den Eindruck, dass die ganze Welt um mich herum irgendwie verrückt ist. So verrückt, dass ich die letzten zehn Minuten sogar vergessen habe, mich mit meinem Kleinen zu unterhalten.

Vielleicht fand er diese Pause aber auch mal ganz entspannend.