Dramagras, wir sehen uns wieder!

In den Bilderbüchern meiner Jungen geht es immer wieder um Dramen. Da werden Autos aus dem Graben geholt, Leute kommen ins Krankenhaus, werden mit dem Hubschrauber vom Berg gerettet und immer wieder brennen Häuser ab. Natürlich werden alle gerettet, aber dass es trotzdem eine scheiß Situation mit blöden Konsequenzen ist, bleibt hinter diesem heroischen Augenblick verborgen.

Aber es gibt eine ganz banale Sache, die mich immer wieder fasziniert. Die Kehrmaschine. Da gibt es diese wundervollen Szenen, wo die Straßenreiniger die Straße fegen und dann kehrt die Maschine den ganzen Kram zusammen und alles ist sauber. Das ist ungefähr genauso realistisch wie die Müllmänner, die dort in einer großen Gruppe auftauchen und tatsächlich sogar noch den fast dekorativ herumliegenden Müll aufsammeln und entsorgen. Unsere Müllabfuhr kommt zwar ganz normal, aber die Straßenreinigung war bei uns auf jeden Fall schon lange nicht mehr.

Es hat ein bisschen was von dem Vorspann der Sendung Löwenzahn und es ist auch durchaus dekorativ. Ein schönes, kräftiges Gras zieht sich den Teil unserer Straße entlang, wo sich zwischen den Gärten der Anwohner und dem Bürgersteig ein Streifen öffentlichen Grüns befindet – oder einfach Gärten, die sich mit Mauer und Zaun nicht mehr für das Jenseits davon verantwortlich fühlen. Somit hat das Gras auch schon den Sprung in die weniger beachteten Vorgärten gefunden.

Es ist hübsch buschig, es wiegt sich im Wind und sieht ein wenig aus wie eine kleine Invasion. Und mir gefällt es.

Heute sah ich eine einsame Kehrmaschine in der kalten Morgensonne ihre Runden drehen. Ein sehr seltener Anblick in unserer Straße, dabei sind wir ziemlich nah am Bauhof. Und auch wenn sie hübsch aussah im leicht nebeligen, sonnendurchbrochenen Herbstlicht, war sie im Gegensatz zum Gras geradezu lächerlich klein.

Ich dachte schon, ich könnte jetzt diesen Artikel mit dem wunderschön ironischen Satz beenden: Vielen Dank, liebe Stadt, das Gras ist jetzt sauber.

Allerdings musste ich später feststellen, dass sie schwereres Geschütz aufgefahren hatten, einen Rasenmäher und eine wirklich große Kehrmaschine kamen ebenfalls die Straße hinauf. Nach ihrem langsamen, aber gewaltvollen Einsatz herrschte im Rinnstein wirklich zum ersten Mal Leere. Fast ein wenig schade kam es mir vor, aber dann sah ich, dass ein paar Häuser weiter ein Auto am Straßenrand parkte, vor einem Haus, dessen Vorgarten vor allem durch sein Zinnkraut auffällt (siehe hier).

Beide Fahrzeuge hupten eine Weile verzweifelt, dann schlugen sie resigniert einen Bogen und setzten ihren Einsatz dahinter fort. Was soll ich sagen, ein bisschen Gras ist gerettet. Aber eine wichtige Sache, die ich schon als Kind gelernt habe: Wenn man irgendein Kraut wirklich loswerden will, dann hilft es nur, es mit der Wurzel rauszuziehen. Abmähen reicht da nicht…