Diesmal piekt es wirklich

Zuerst lesen: Früher war mehr Pieks

Tag zwei. Die Sonne strahlt so wundervoll, dass ich beschließe, es sei schändlich, dabei mit dem Auto loszufahren. Und den Baum mit dem Fahrrad holen geht nicht, wenn ich noch ein Kind draufhabe. Also alles in den Bollerwagen, Kinder dazu, Weihnachtslieder angestimmt und losgezogen.

Endlich am Supermarkt angekommen, geben wir die Weihnachtspakete auf und die Kinder werden mit Fruchtsaft versorgt, dann betreten wir den Bärenkäfig mit hunderten von Bäumen. Diesmal ist eine Frau da.

„Haben Sie auch Fichten?“, versuche ich unbeschwert und sorglos zu klingen. „Ja,“ sagt sie und weist irgendwo in einen Haufen eingenetzter Bäume. Beim Näherkommen sind es genau zwei. Ratlos betrachte ich das obere, eigentlich zu lange Paket. Die Frau greift nach ihm, um ihn in Weihnachtsbaumverkäufermarnier vor mir senkrecht hinzustellen. „Au.“ Sie steckt den Finger in den Mund und sieht mich ratlos an. „Warum wollen Sie eine Fichte?“ „Sie duftet,“ gebe ich etwas stur zurück und sehe zu, wie sie Handschuhe anzieht.

Sie befreit den Baum aus dem Netz und richtet ihn auf; er ist mir eigentlich zu groß und unten etwas mau. Aber letztendlich kann ich sogar noch etwas runterhandeln, denn auch wenn um mich herum noch so viele schöne Tannen drapiert sind, ICH WILL EINE FICHTE. Sogar hier im Freien verbreitet sich der Duft. Und oben an der Spitze ist ordentlich Harz.

Sie schiebt ihn erneut in ein Netz und ihr ist anzusehen, dass die Handschuhe den Stacheln nicht standhalten. Dann bezahle ich und sie hebt ihn hoch. „Wo ist ihr Wagen?“ Ich muss ein Lachen unterdrücken und zeige durch das Gitter zu den Fahrradständern. Leider sehe ich ihren Gesichtsausdruck nicht, wie sie den Baum zum Bollerwagen trägt und nach kurzem Zögern hineinlegt.

Mit Decken und Kissen schaffen wir zumindest für den Kleinen noch einen Platz und auf dem Rückweg gibt es nur zwei kurze Piekser mit dem Baum. Auf dem Balkon entnetze ich ihn und er knallt mir wehrhaft seine Stacheln in die Haut, dann steht er, so wie er ist, im Baumständer, wie eine Eins. Und ich freue mich schon, wenn er dann reinkommt, geschmückt wird und unser Weihnachtsbaum ist.

Und den pädagogischen Effekt, dass man den Baum dann nicht anfasst, bringt er gleich mit.