Wir retten Leben!

Auf dem Weg zum Training muss ich eine große Kreuzung überqueren. Dafür brauche ich zwei Ampeln. Weil ich diese gelben Haltegriffe für Radfahrer extrem affig finde, halte ich mich lieber am Ampelmast fest. Über meinem Fäustling steht dann folgendes:

SEI EIN VORBILD GEH BEI GRÜN

zur Richtigstellung sei gesagt, dass es da (denn so ein Ampelmast hat ja nicht viel Platz für plane Botschaften) mit Absätzen steht:

SEI EIN
VORBILD
GEH BEI
GRÜN

was jedoch das Fehlen gewisser grammatikalischer Regeln nicht kompensiert. Ich muss es jedes Mal in meinem Kopf korrigieren:

SEI EIN
VORBILD –
GEH BEI
GRÜN!

Denn dafür sind sie da! Sie retten Opa das Leben („Komm wir essen Opa!“ Was?) und geben unserer verschriftlichten Sprache ihren Sinn. Sinn! Sie geben dem Text Leben! Gemerkt? Gefühlt? Fragen, Ausrufe, Satzuntergliederungen, Satzenden oder gewisse Zweifel…
Alles wird deutlich: Auch Doppelpunkte, Semikola (nein, das ist keine sprachwissenschaftliche Bezeichnung für ein halbes Getränk), Asteriske (nein, das sind keine Gallier) und so weiter haben ihr Zuhause.

Ich meine, man muss es ja nicht so machen wie die Bundeswehr. Und.Es.Direkt.Übertreiben.
Denn mehr ist nicht immer auch besser. (Außerdem gibt es nette kleine Leerzeichen).
Aber so ein paar Satzzeichen, vor allem, wenn sie wichtig sind, sollte man vielleicht einsetzen. Vor allem, wenn es nicht nur um Opas Leben geht sondern noch um viele mehr. Denn immerhin ist in der Nähe eine Grundschule und es gibt nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch im sprachlichen Leben eine Vorbildfunktion! Darum:

SEI EIN
VORBILD –
NUTZE
SATZZEICHEN!