Who? Me!

Ich habe Literaturwissenschaft studiert. Und nein, das ist nicht wie der Deutschunterricht in der Schule und ja, man muss dafür tatsächlich viel lesen (um zwei der meistgestellten Fragen zu beantworten). Aber jetzt festhalten: Ich kenne nicht jedes Buch. Ich kenne nicht jeden Autor und ich kann nicht alle Epochen und Gattungen genau definiert runterrattern. Jetzt wird es noch schlimmer: Ich kann mit Kafka nicht viel anfangen und beschäftige mich auch zumeist nicht freiwillig mit Goethe oder Schiller. Die meisten zeitgenössischen Romane sind mir noch unwichtiger. Ich habe auch keinen Bezug zu Lyrik.

Ich liebe die Wissenschaft, die hinter meinem Fach steht. Der wissenschaftliche Bezug zu Literatur. Dass das nicht immer so starr und langweilig sein muss, zeigt zum Beispiel meine Masterarbeit: ein Vergleich von drei Männerfiguren aus dem Ersten Weltkrieg (Im Westen nichts Neues von Remarque), dem Zweiten Weltkrieg (Das Boot von Buchheim) und dann noch der Kalte Krieg – James Bond aus Casino Royal von Ian Fleming (Ein Vergleich zwischen der Romanvorlage und der Verfilmung mit Daniel Craig, das wär mal ein Thema!). Bei der Vorstellung meines zum Glück damals schon abgesegneten Themas schrie ein älterer Professor auf. „Sie können doch nicht James Bond mit unseren Kriegshelden vergleichen!“ Doch, ich konnte. Und es hat Spaß gemacht. Nicht nur, dass ich direkt alle Romane von Fleming gelesen habe, die Arbeit hat mir gezeigt, dass man mit Wissenschaft viel spielerischer umgehen kann, als es sicherlich allgemein angenommen wird (In einem Literatur-Film-Seminar schrieb ich ein Essay über die Ebenen der Fiktion in Die Nanny.) Bei meiner Doktorarbeit scheiterte mein Begehren, mich wieder auf James Bond einlassen zu können. Das grobe Thema Helden stand schon, aber meine Doktormutter blieb hart. „…nicht Äpfel mit Birnen…“ hörte ich mehrmals, dann ihr Totschlagargument, als feststand, dass ich Spartacus von Howard Fast bearbeiten würde: „Wenn Sie mir beweisen, dass Howard Fast und Ian Fleming jede Woche einmal zusammen Kaffee getrunken haben, dann in Ordnung.“ Mein Beweis blieb aus und ebenso blieb Bond draußen. Es wurde ein Roman-Film-Film-Vergleich, dreimal Spartacus, jahrelange Arbeit und jetzt denken alle, mein Mann sei Arzt, denn ich bin ja Frau Doktor.

Literaturwissenschaft ist ein weites Feld. So groß, dass man sich so viele Rosinen rauspicken kann, wie man will, und es gibt viele. Ein paar möchte ich hier immer mal wieder veröffentlichen. Kleine Rosinen, aber welche zum Genießen. Und so wünsche ich guten Appetit!